Der Elefant im Raum



Wir müssen reden. Wir müssen viel mehr reden, als wir es schon tun. Da ist dieser große Elefant im Raum, der alles einnimmt und einem die Luft zum Atmen raubt. Doch wir lassen alles so wie es ist. Wir wagen keinen Schritt weiter, aus Angst vor Veränderungen.




Die Veränderungen verändern auch uns, und davor haben wir Angst. Wir müssen mehr miteinander reden. Wir haben uns so viel zu sagen, aber wir schweigen uns lieber an. Die Köpfe sind voller Gedanken, aber die Münder bleiben stumm. Wir haben Sehnsucht nach der Nähe und Wärme anderer, aber wir leben lieber alleine zurückgezogen und sehen unsere Sorgen als Freunde an. Die Ignoranz ist für uns ein besseres Mittel um auf uns aufmerksam zu machen, als die Kommunikation, die uns verhilft Missverständnisse aus dem Weg zu schaffen. Wir leben in einer Welt der Freiheit, doch wir schaffen uns unser eigenes Gefängnis. Und am Ende fragen wir uns, wieso uns niemand zu lieben scheint. Jeder möchte die Liebe und Zuwendung anderer, doch es zu schwierig es auszusprechen. Die Scham ist zu groß. Der Elefant er ist zu groß und zu grau, er verdeckt die Sicht auf uns und auf unsere Gefühle. Dabei will ich wissen wer du wirklich bist. Bist du auch einsam? Hast du mich schon mal vermisst? Denn vielleicht haben wir ja mehr gemeinsam, als wir denken. Zeig mir dein Inneres, dann zeige ich dir ein Stück von meiner Seele. Es gibt so viel Schlimmeres, als zusammen über unsere Gefühle zu reden, doch wir bleiben in der Leere. Doch wir müssen anfangen einander zu verstehen, zeigen, dass uns etwas am anderen liegt. Sonst bleibt am Ende jeder alleine. Erst wenn der andere weg ist, begreifen wir, wie wichtig dieser Mensch in unserem Leben war.  Ich möchte, dass du dich an mich erinnerst, wenn ich einmal nicht mehr da bin. Dass du dich erinnerst an die Worte, die wir miteinander gesprochen haben. Ich will dir im Gedächtnis bleiben. Doch es bleibt nur dieser große, graue Elefant. Wir haben alle dieselben Probleme, doch es ist uns nicht bewusst. Wir denken, wir sind alleine mit unseren Sorgen und Problemen. Doch das sind wir nicht. Wir müssen reden, reden mit Worten, reden mit unseren Mündern. Die Kommunikation hat sich verschlechtert, obwohl sie sich eigentlich verbessert hat. Doch schreiben ist nicht gleich reden. Mit den Kommunikationsformen der heutigen Zeit entstehen neue Missverständnisse, mit denen wir nicht zurechtkommen. Anstatt auf unsere Bildschirme zu starren, müssen wir Gespräche in der realen Welt mit echten Menschen führen. Weniger kommunizieren, aber dafür intensiver. Nur weil du mir ein paar Worte auf meinen Bildschirm sendest, bist du nicht in meiner Lebenswelt. Elektronische Geräte sind zu unserer Priorität geworden, nicht die Menschen. Elektrogeräte sollen uns als Hilfsmittel dienen, doch wir sind zu Dienern der elektronischen Welt geworden. Wir gehorchen, wenn sie einen Ton von sich geben. Wir haben uns zu den Sklaven unseres eigenen Fortschrittes gemacht. Wir sehen Menschen nicht mehr als Individuen, sondern als Zahlen an. Je größer die Zahl desto besser. Wir sind in Kontakt mit so vielen Menschen, doch wir brauchen eigentlich nur einen, zwei oder drei gute Menschen, die uns verstehen. Wir müssen nicht die gesamte Welt kennen. Je mehr Menschen, desto mehr Abschiede. Je mehr Abschiede, desto mehr Verlust. Was ist es uns wert? Wir müssen mehr reden. Reden auf vielen Sprachen. Du kannst mich nicht verstehen, weil du nicht meine Sprache sprichst und ich nicht weiß, was es auf deiner Sprache heißt. Doch sprechen wir nicht alle eine Sprache? Die Sprache der Liebe, jeder kennt sie, es gibt allgemeine Regeln die jeder kennt. Nicht jeder versteht diese Regeln und auch mir sind sie immer noch ein Rätsel. Doch Liebe ist die einzige Form der Kommunikation, die hilft einander zu verstehen. Die es schafft Grenzen und Missverständnisse zu überwinden und einander zu finden. Doch da ist noch dieser große graue Elefant, der uns den Blick auf die Liebe verdeckt.

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